Album: "More Than Words"

VÖ: 22.09.2006 - edel records

Mit seinem ersten Solo-Album „More Than Words“ belebt Frank Lauber eine große Jazz-Tradition: Vocal-Songs instrumental zu interpretieren - das gehört zum guten Ton der improvisierten Musik, den selbst der große Charlie Parker mit seinem Cole Porter-Songbook pflegte. Der Saxophonist aus Köln hat sich 11 Songs des Duos Marshall & Alexander ausgesucht, die er mal traditioneller hält („Eileen“, „La Stella Piu Grande“), mal in einem modernen Groove fließen lässt („Hand In Hand“, „Sing A Love Song“, Bridges Over Water“). Stets aber findet Lauber den eigenen Ansatz, seinen speziellen Ton,  ein musikalisches Eigenleben. “Ich habe gemerkt, dass man aus jeder dieser Melodien einen neuen Song machen kann“, sagt er. „Dass eine Melodie nicht festgelegt ist auf eine musikalische Richtung. Das war auch das Spannende: Ich habe mich zuerst immer nur mit der Melodie beschäftigt, sie lange gespielt – und dann geschaut, was dabei herauskommt.“

So verbindet „More Than Words“ das Unbeschwerte eines Anfangs mit der Reife eines erfahrenen Musikers, der seine Berufung als Geschenk zu schätzen gelernt hat. Denn es sind ja grade mal gut zwei Jahre ins Land gegangen, seit er sein Saxophon fast ein Jahr lang nicht mehr angerührt hatte. „Ich wusste nur: So will ich nicht weiter Musik machen“, rekapituliert Lauber, Jahrgang 1976. Die Leichtigkeit, der Spaß, die Lust am Spiel, sie waren irgendwo auf der langen Strecke geblieben, die mit 12 Jahren begonnen hatte, als er anfing Saxophon zu spielen und sich bald tief berühren ließ von der Musik und der Aura eines Miles Davis, eines John Coltrane. Frank Lauber war als eines der jüngsten Mitglieder des Bundes Jazz Orchesters bereits in jungen Jahren auf der ganzen Welt unterwegs, spielte Konzerte für Nelson Mandela und Prince Charles, er brach das Gymnasium ab, um den Jazz am Konservatorium im niederländischen Hilversum zu studieren, er war Musiker in namhaften Big Bands dieses Landes, spielte mit internationalen Musikergrößen. Seine Band Café Du Sport wurde mit dem begehrten „Henessey Jazz Award“ bedacht. Als Saxophonist der Soul-Sängerin Joy Denalane betrat Lauber auch die große Pop-Bühne, als Gastmusiker stand er bei Stefan Raabs TV-Total mit James Brown und Kylie Minogue vor der Kamera. Von außen betrachtet ein reiches, hier nur ansatzweise skizziertes Musikerleben – innerlich war diese anfängliche Leichtigkeit, dieser Spaß jedoch nach und nach zu einer Anspannung, einem Druck geworden.

Lauber ließ das los was ihn am wichtigsten war, sein Instrument, sein Musikerdasein. Er jobbte auf einer Alm in der Schweiz, wo ihm ein cholerischer Chef und harte Arbeit von früh bis spät schnell alle romantischen Illusionen raubten. Er arbeitete als Handwerker, um eher schlecht als recht über die Runden zu kommen. Und er sagte – mit einem trotz der finanziellen Misere schon wieder leichteren Lebensgefühl – „ja“, als ihm sein alter Freund und Musikerkollege Christian von Kaphengst einen Job als Roadie bei der Band Marshall & Alexander vermittelte. Kurios, ja absurd: Da stand Lauber also nach getaner Arbeit hinter der Bühne, während die anderen Musiker, mit denen er schon so oft gespielt hatte, ihr Konzert gaben... Das Saxophon? Noch immer im Keller. Doch es juckte schon langsam wieder in den Fingern. Und als eines Tages Marc Marshall fragte, ob er nicht Lust hätte, wieder auf der Bühne zu stehen statt nur dahinter... Beim großen Traditions-Open Air von Marshall & Alexander in Ötigheim vor rund 4.000 Zuhörern war es dann soweit. Gewiss, die Technik hatte schon etwas gelitten, nach knapp einem Jahr Saxophon-Pause. Aber dieser Spaß, diese Freiheit, diese Leichtigkeit! Und überhaupt: „Ich war ja nur ein Roadie, der da auch ein bisschen Saxophon spielte“, sagt Frank Lauber. Ein Roadie freilich, von dessen Saxophonspiel Marc Marshall so fasziniert war, dass sich beide recht schnell dazu entschlossen eine gemeinsame Platte zu produzieren. Die Idee für eine CD mit neuen Interpretationen von Marshall & Alexander Songs war geboren... Und das Ergebnis kann sich sehen lassen, davon ist Marc Marshall überzeugt: „Für mich gehört Frank Lauber zu den ganz großen künstlerischen Entdeckungen. Ich fühle mich als Sänger, Autor und Mensch geehrt, dass Frank "Marshall & Alexander Songs" in seiner ganz eigenen Art interpretiert und aufgenommen hat. "More Than Words" ist eine Bereicherung für jede CD-Sammlung.“

Aus rund 40 M&A Originalen erfolgte die Auswahl zu „More Than Words“, die allein „meiner Intuition folgte“, so Frank Lauber. „Kann ich mit der Stimmung etwas anfangen? Spricht es mich an?“ Es gab also „keinen Masterplan“ für das erste Album, das seinen Namen trägt, aber doch zwei Prämissen grundsätzlicher Natur. Zum einen musste unbedingt ein Orchester dabei sein, das in Bulgarien aufgenommen wurde, bei einem Großteil der Titel zu hören ist und die CD schon allein damit zu einem außergewöhnlichen Hörgenuss macht. Und es sollten „nur Leute mitmachen, mit denen ich eine persönliche Geschichte habe.“ So ist die Besetzung von „More Than Words“ auch Zeugnis des großen Aktionsradius der Hauptfigur. Die kann zum Beispiel auf den Groove von Flo Dauner bauen, der vor allem als Schlagzeuger der Fantastischen Vier bekannt geworden ist. Auf die Percussion-Akzente des Marokkaners Rhani Krija, der die Bühne schon mit Sting, Herbie Hancock und Chick Corea teilten durfte. Auf den Gesang von Jeff Cascaro, den Frank Lauber bei seiner Arbeit als Saxophonist und Arrangeur für „Deutschland sucht den Superstar“ kennen gelernt hatte, und der hier „Love Is More“ zum Ereignis macht.

Natürlich dürfen auch der Trompeter Joo Krauss, mit dem Lauber schon viele Konzerte spielte, sowie die Café Du Sport-Mitstreiter Bruno Müller (Gitarre) und Christian Von Kaphengst (Bass) nicht fehlen. Nur Simone Larsen, die Sängerin des norwegischen Trios D’Sound, hat keine Vorgeschichte mit Frank Lauber, entpuppte sich aber als höchst willkommene Überraschung bei „The Way You Touch My Soul“ und „Bridges Over Water“ – „Ich habe gemerkt“, sagt Lauber, „dass ich bei zwei Songs auf jeden Fall eine Sängerin dabei haben möchte. Und als ich sie gehört hatte, wusste ich gleich. Die ist es.“ Ein Eindruck, der sich im persönlichen Kontakt per Telefon und MP3-Austausch schnell festigte.

Mit dem Flamenco-inspirierten „Solo Tu“ glückt Frank Lauber auch der ganz große musikalische Bilderbogen, meditativ fast und doch prächtig schillernd. Ein Stück, das man am liebsten gleich noch einmal hören möchte – und hier abschließend auch zu hören bekommt, in der Vocal-Version mit der klassischen Stimme von Jay Alexander. Dieser ist von Laubers Werk ebenfalls angetan: "Ich finde, dass dieses Werk ein unvergleichbares einzigartiges Hörerlebnis ist und einen in eine andere Welt abtauchen lässt"!
Die inzwischen zu Laubers Freunden gewordenen Marshall & Alexander sollten auch persönlich auf „More Than Words“ vertreten sein. Schließlich verbindet die drei mittlerweile eine lange gemeinsame musikalische Wegstrecke. „Das ganze Projekt“, sagt er, „hat sich von Anfang an sehr leicht angefühlt. Und dem vertraue ich auch: Wenn sich die Dinge leicht anfühlen, dann stimmt da irgendwo etwas.“